Hochwertige Fenster
Das Gesamtpaket muss stimmen

Dipl. Ing. (FH) Thomas Reibe leitet die Abteilung Entwicklung bei „Josko Fenster & Türen“. Dem PASSIVHAUSmagazin stand der Experte Rede und Antwort und gewährte Einblicke in die spannende Welt der Fenster-Entwicklung.

 
PASSIVHAUSmagazin: Welche Arbeitsschritte fallen im Entwicklungsprozess von Fenstern an?
Thomas Reibe: Vor den eigentlichen Entwicklungsprozess schaltet sich die Ideenfindung, welche meist den intensivsten und risikoreichen Anteil annimmt. Dann folgt die Studie, welche es erlaubt, sich einen Überblick über Idee und Risikobetrachtung zu machen, sowie die Geschäftsleitung näher zu einer Entscheidungsfindung befähigt. Um dann dem eigentlichen Entwicklungsprozess, das „Go“ zu erteilen. Diese Studie befasst sich mit vielen Randprozessen und soll neben der Kostenübersicht andere Aspekte beleuchten. Ist die Studie erfolgreich verlaufen, geht es in die Konstruktion. Dann werden die Schnittstellenabteilungen in die Umsetzung mitgenommen. 
Sind alle Vorbereitungen getroffen, in nötige Maschinen investiert, neue Profile bearbeitet, geht es in die Phase der Probeaufträge, mit deren Produktion und Umsetzung auf den Baustellen. Zielpunkt des gesamten Prozesses ist die Präsentation an den Kunden und vor allem innerhalb des Partnernetzwerkes. Danach erfolgt die restliche Werkseinführung mit Schulungen intern und extern. Parallel hierzu werden Optimierungs-Prozesse von den einzelnen Abteilungen in Absprache mit der Entwicklungsabteilung verfolgt. 

PASSIVHAUSmagazin: Wie lange dauert es bis ein neues Produkt die Marktreife erlangt?
Thomas Reibe: Ab dem Zeitpunkt „Go“ nach der Studie kann das relativ schnell gehen. Zwischen einem halben bis einem Jahr. Allerdings ist der Prozess vorher sehr genau zu betrachten. Vorher entscheidet die Marktannahme mitunter gravierend. Zudem ist die Dauer der Phase stark abhängig vom Portfolio des Produktes, sprich dem Lasten- und Pflichtenheft. 

PASSIVHAUSmagazin: Welche waren in letzter Zeit die großen Innovationen bei Josko?
Thomas Reibe: Die liegen bei den passivhauszertifizierten Haustüren und Fenstern aus den Programmen „Nevos“ und „Safir“. Sie haben einen gewissen Meilenstein markiert. Derzeit wird vermehrt im Kunststoffsegment entwickelt. 


 

PASSIVHAUSmagazin: Stichwort „Kunststofffenster“: Wie schätzten Sie deren Haltbarkeit ein?
Thomas Reibe: Im Normalfall halten diese genauso lange wie ein Holzfenster. Wir bei Josko haben hochwertigste Kunststoff-Produkte – die Safir-Serie war ein großer Design-Schritt. Bei der Materialwahl bemerke ich immer wieder regionale Unterschiede. Aluminium zum Beispiel, wird in Österreich nicht oft angefragt. Holz steht hierzulande ganz hoch im Kurs. Gerade in Tirol, wo es zahlreiche ortsansässige Tischler gibt. Dass Holzfenster grundsätzlich hochwertiger sind, kann man so nicht sagen. Sie sind wegen ihrer Fertigungsweise kostenintensiver. Vom Rohstoff Holz bis zum fertigen Profil – die aufwändigen Arbeitsschritte in der Produktion wirken sich auf den Preis aus. 

PASSIVHAUSmagazin: Was ist für den Laien unter einem „qualitativ hochwertigen Fenster“ zu verstehen?
Thomas Reibe: Darunter verstehe ich, wenn ein Gesamtpaket funktioniert und begeistert. Hier geht es bei Weitem nicht mehr nur um technische Werte, vielmehr rücken Betreuung und Schnittstellenbearbeitung zunehmend in den Fokus der Qualität. Abgesehen von dieser Schlüsselbeurteilung gilt es, bei qualitativ hochwertigen Fenstern, die Top-Verarbeitung, das Top-Design und die Verwendung von hochwertigen Materialien zu bewerten. Kommt man aber wieder auf die eben genannte Schnittstellenbearbeitung, so merkt man sehr rasch, ob einem ein Fenster nur verkauft wurde. Oder ob dieses auch betreut eingebaut wurde. Beim Einbau selbst denke ich nicht nur an den Akt der Befestigung eines Rahmens in eine Laibung, sondern vielmehr an die Planung. Jedoch nicht nur an jene des eigenen Gewerkes, sondern auch an den Schnittstellen. Wenn dies in der Bauphase und auch in der Benutzung so reibungslos funktioniert, dass es unbemerkt bleibt, kann man nach meinem Verständnis von hoher Qualität im Gesamtpaket reden.

PASSIVHAUSmagazin: Welches sind die Qualitätskriterien für Passivhausfenster?
Thomas Reibe: Besonders wichtig ist die Abstimmung der Bauteile aufeinander, sodass diese im „Verbund“ funktionieren. Also Planung, Fenster, Einbausituation, Wand, und Gebäudetechnik – um einerseits die berechneten Energieeinsparungspotenziale auch in der Praxis realisieren zu können und andererseits, um den hohen Anforderungen an die Behaglichkeit in einem Passivhaus zu entsprechen. Die technischen Werte sind vom Passivhausinstitut genau vorgegeben. 

Der Weitblick unseres Entwicklungsleiters

PASSIVHAUSmagazin: Bleibt die 3-fach-Verglasung Ihrer Meinung nach Standard? 
Thomas Reibe: Vorerst auf jeden Fall. Die nächste Stufe wird die Vakuumverglasung sein. Sie wird vom Gewicht her leichter, jedoch in der Montage aufwändiger sein. Wann sich diese flächendeckend durchsetzen wird, ist schwer abzuschätzen.

PASSIVHAUSmagazin: Haben Sie Tipps für Fensterprofis beim Einbau?
Thomas Reibe: Den Profis brauche ich keine Tipps zu geben. Da ist der Wissenstransfer eher umgekehrt. Wir bei Josko setzen auf ein starkes Partnernetzwerk, den Josko-Club und die Josko-Akademie. Informationen dazu finden sich online unter www.josko.at

PASSIVHAUSmagazin: Manche beobachten das Tierkreiszeichen, manche verwenden Zeitungspapier, wieder andere sündteure Putzutensilien. Kaum ein Gegenstand in den eigenen vier Wänden wird heterogener in seiner Pflege behandelt. Wie reinigen Sie als Experte Ihre Fenster?
Thomas Reibe: Mit zusammengeknäueltem Zeitungspapier und Fensterreiniger innen, mit einem Mikrofasertuch außen. Und das alle sechs Wochen. 

Quelle: www.tiroler-passivhaus.at

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